Kostenlose oder kostenpflichtige Börsenbriefe?

 

  1. Meiden Sie strikt kostenlose Börsenbriefe!!! Diese können sehr gefährlich sein! Oft werden solche Publikationen dazu genutzt, um sehr marktenge und unbekannte Aktien im Wert zu pushen, die der Autor vorher natürlich gekauft hat. Steigen die ahnungslosen Leser bei der Aktie ein, verkauft der Autor sie mit Gewinn ("Frontrunning"). Sie können nicht wissen, ob "ihr Börsenbrief" zu dieser Gruppe schwarzer Schafe gehört. Daher gilt: Lieber Finger weg!

  2. Bei kostenpflichtigen Börsenbriefen können Sie als Nutzer generell davon ausgehen, dass die Autoren Ihnen solide Informationen gegen Entgelt bieten. Selten wird man Sie hier via "Frontrunning" abzocken wollen. Teuer oder billig? Aus meiner persönlichen Erfahrung und vielen Tests von Börsenbriefen kann ich nur sagen, dass generell die billigeren Börsenbriefe qualitativ eher besser sind als die teuren Publikationen. Natürlich gibt es hier auch Ausnahmen.

 

Grobunterteilung: Trading versus Anlagestrategien

 

Das Gros der Börsenbriefe kann man in zwei Gruppen unterteilen: Trading versus Anlagestrategien

 

  1. Trading-Börsenbriefe: Hektische Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen; sehr teuer; wenig Informationen; gute Gewinnphasen, dann aber wieder katastrophale Verlustperioden, vor allem an Übergängen von Hausse zu Baisse und umgekehrt; permanente Verfolgung notwendig = hoher Zeitaufwand.

    Meine Erfahrung: Die Autoren sind eher keine begnadeten Trader. Sie verdienen genauso wie die meisten Anleger in Haussen ganz gut, verlieren aber an den Übergängen zwischen Haussen und Baissen (und umgekehrt) sehr viel Geld. Nur für erfahrene Anleger geeignet, die permanent die Mitteilungen überwachen können. Doch wer kann das schon?

  2. Anlagestratgiebörsenbriefe: Mittel- bis längerfristige Anlagetipps; mehr oder weniger umfangreiche Informationen über Marktentwicklungen; Infoqualität sehr unterschiedlich - von extrem gering bis sehr gut; meist geringer Lerneffekt für Anleger; oft unflexible, fokussierte Anlagestrategien, die in bestimmten Börsenphasen Gewinne bringen, in anderen dagegen Verluste bescheren, z.B. Rohstoffbörsenbriefe.

    Meine Erfahrung: Die Autoren sind von besserer Qualität, haben aber einen längerfristigen Anlagehorizont. Leider sind die meisten dieser Börsenbriefe wegen "ihrer Anlagestrategiefixierung" zu statisch und können nicht optimal auf Veränderungen der Konjunktur oder Börsenlage reagieren. Anleger erleben hier oft Höhen und Tiefen.

 

Grundsätzliche Ratschläge bei Börsenbriefen:

 

  1. Vorsicht vor Börsenbriefen mit sehr hohen Abonnementgebühren, festen Jahresabonnements und sehr kurzen Testphasen. Meist geringe Qualität. Es sollte selbstverständlich sein, jederzeit kündigen zu können.

  2. Testphasen obligatorisch: Testen Sie einen Börsenbrief vorher ausgiebig. 3 Monate Testphase ist das absolute Minimum. Sie können in 30 Tagen nicht feststellen, ob ein Börsenbrief wirklich gut ist. Manchmal verlangen Autoren einen kleinen Obulus für eine längere Testphase, aber das ist okay.

  3. Vorsicht vor Börsenbriefen ohne Musterdepots. Erfolge der Anlageempfehlungen sind hier überhaupt nicht verifizierbar. Sollten Sie Schwierigkeiten haben, die jährliche Performance der letzten drei Jahre einfach zu ermitteln: Finger weg!

  4. Meiden Sie Börsenbriefe mit hochtrabenden Gewinnversprechen. Diese sind meist nur auf einzelne Trades angefallen und nicht auf das gesamte Anlagekapital. Besonders kritisch: Keine Verlusttrades ausgewiesen. "Kein Anleger macht nur Gewinne!" Als Richtschnur gilt: Gesamtkapitalrenditen bei Aktienbörsenbriefen von 6-10% pro Jahr gelten als seriös. Alles was höher ist, ist entweder nicht seriös oder lässt sich zufallsabhängig nur mit extrem riskanten Anlageverhalten realisieren. Häufig droht hier ein Totalverlust.

  5. Für Anfänger gilt: Exotische Börsenbriefe, die mit Futures, Devisen, CFDs oder Optionsscheinen handeln, sind absolut tabu. Hier droht in nahezu 100% der Fälle der Totalverlust des eingesetzten Kapitals, vor allem wenn man als Anleger unerfahren ist..