BSC-Anlagestrategie des Börsenbriefs (Fortsetzung)

Die Vorgeschichte der BSC-Strategie ...

Die "Bonds/Stocks/Commodities"-Strategie ("BSC") ist eine von mir weiterentwickelte Anlagestrategie, die auf dem leider wenig bekannten "6-phasigen Konjunkturzyklusmodell" von Dr. Martin Pring beruht. Das Ziel ist es, gewinnbringende Anlagezeiträume für Aktien, Anleihen und Rohstoffe im laufenden Konjunkturzyklus zu ermitteln.

Das Grundkonzept dieser Anlagestrategie stammt bereits aus den 20er Jahren und basiert auf Untersuchungen des britischen Ökonomen Joseph Kitchin zu zyklischen Abläufen in der Wirtschaft. Aufbauend auf diesen Untersuchungen entwickelte sich im Lauf der Zeit ein eigenes wissenschaftliches Forschungsgebiet – die so genannte Forschung über Konjunkturzyklen. Im Rahmen dieser Forschungen zeigte sich, dass sich die einzelnen Anlageklassen Aktien, Anleihen und Rohstoffe im Konjunkturzyklus in einer zuverlässig vorhersagbaren Art und Weise verhalten, in dem sie in charakteristischer Weise zyklische Hochs und Tiefs durchlaufen. Sinn und Zweck des "Konservativen Anlegers" ist es, diese lukrativen Anlagezeiträume zu ermitteln.

 

A) Anlageklassen und ihr Verhalten im Konjunkturzyklus nach Kitchin...

Dr. Martin Pring unterteilt den Kitchin-Konjunkturzyklus in 6 Phasen, deren Vorhandensein und Länge von einem Konjunkturzyklus zum nächsten deutlich variieren kann. Kein Zyklus ist identisch im Verlauf (Amplitude und Dauer der einzelnen Phasen) zum Nächsten oder Vorhergehenden. In der Grundstruktur sind sie sich aber im Wesentlichen relativ ähnlich. Im "6-Phasen-Konjunktur-Modell" existiert für jede der drei betrachteten Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Rohstoffe) je eine Phase für deren zyklischen Tiefpunkt und eine Phase für den entsprechenden zyklischen Hochpunkt.

 

Anlageklassen und ihre Kauf- bzw. Verkaufszeitpunkte in den 6 Phasen des Konjunkturzyklus:
Anlageklasse Kaufzeitpunkt Verkaufszeitpunkt
Aktien Phase II Phase V
Anleihen Phase I Phase IV
Rohstoffe Phase III Phase VI

 

Wer also in der Lage ist, die aktuelle Phase im Konjunkturzyklus zu bestimmen, der kann sein Anlagekapital in die "richtige" Anlageklasse investieren.

 

Doch genau hier ergibt sich das entscheidende Problem: Wie kann man diese Phase sicher identifizieren? Wenn man sich irrt, kann das unter Umständen recht teuer werden. Es kommt also darauf an, wie man die Phasenposition bestimmt und genau hier ergeben sich wesentliche Unterschiede zwischen dem "6-Phasen-Konjunktur-Modell" von Dr. Pring und meiner "BSC-Methode".

 

B) Unterschiede zwischen der "BSC-Methode" und dem "6-Phasen-Konjunktur-Modell" von Dr. Pring...

I. Unschärfe in Positionsfestlegung bei Pring:

Einer dieser Unterschiede ist rein formaler Natur, denn Martin Pring sagt beispielsweise nur, dass der Tiefpunkt einer Anlageklasse in einer bestimmten Phase auftritt. Damit lässt er natürlich ein weites Feld für Spekulationen offen. Ein unerfahrener Leser wird den Ausruf einer neuen Phase dann unter Umständen so verstehen, dass er sofort alles in die jeweilige Anlageklasse investieren muss. Dabei sagte Dr. Pring korrekterweise nur, dass der Tiefpunkt irgendwann in der neuen Phase durchlaufen werden wird. Wann, das bleibt offen. Für den Anleger ist das wenig hilfreich. Diese Unschärfe in der Aussage Dr. Prings hat natürlich seinen Sinn, denn er weiß, dass seine Definitionsmethode nicht hundertprozentig ist. In einer Zeitspanne von 1997 bis 2009 musste er volle sechs Phasenirrtümer (-revisionen) innerhalb von drei Konjunkturzyklen hinnehmen.

 

II. Unterschiedliche Parametersets:

Ein weiterer Unterschied beider Phasenbestimmungsverfahren besteht im gewählten Satz der einzelnen konjunkturellen Parameter, die für die Phasenbestimmung herangezogen werden. Hier hat sicherlich jeder Autor seine Präferenzen für bestimmte Parametersets. Dr. Pring konzentriert sich vorwiegend auf geldpolitische Parameter, wie den US-Diskontsatz, welche in der Vergangenheit immer sehr gute Entscheidungshilfen waren. Doch die Konzentration auf bestimmte Parametersets kann auch fatale Fehlentscheidungen mit sich bringen, wie das Beispiel der Finanzkrise von 2008 gezeigt hat. Dr. Pring hatte hier eindeutige Signale von der US-Notenbank bekommen und daher schon sehr früh den Beginn von Phase II (=zyklisches Aktientief) signalisiert und zwar schon Anfang 2008. Und Mitte des Jahres 2008 war er schon bei Phase III angelangt, was eine beginnende Erholung der US-Konjunktur signalisiert hätte. Im Gegensatz dazu war die Finanzkrise in der ersten Jahreshälfte 2008 erst dabei, sich richtig zu entwickeln. Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers musste er dann schleunigst zurückrudern und sich auf Phase II beschränken. Wer von seinen Lesern allerdings seinem Rat, Aktien schon Anfang 2008 zu kaufen, gefolgt ist, der dürfte gegen Ende von 2008 sein persönliches Waterloo erlebt haben. Dieses abschreckende Beispiel zeigt sehr eindringlich, dass man sich bei der Definition der Zyklusphase keineswegs nur auf einige wenige Indikatorsets verlassen darf, auch wenn diese in früheren Zyklen immer gut funktioniert haben. Auch noch zu den Zeiten, als ich meine Anlageentscheidungen (privat wie auch im Konservativen Anleger) auf das "6-Phasen-Modell" gestützt habe, zog ich immer ein breiteres Spektrum verschiedener gleichberechtigter Parameter (~ 20) heran, um eine größere Prognosesicherheit zu erreichen. Dies hat es mir ermöglicht, Phase II erst im Mai 2009 auszurufen, also zum genau richtigen Zeitpunkt.

 

III. Phasenfusionierung im BSC-Modell:

Ein wesentlicher Unterschied zwischen der neuen "BSC"-Strategie und dem alten "6-Phasen-Modell" von Dr. Pring liegt in der Anzahl der Phasen. Mein "BSC"-Modell basiert nur noch auf drei Phasen, nämlich einer Phase für Bonds, einer für Aktien und einer für Rohstoffe, wobei allerdings der Name der Phase nur auf die bevorzugte Gewichtung der namensgebenden Anlageklasse hindeutet. In der „Aktien“-Phase ist man also nicht nur in Aktien investiert, sondern der Schwerpunkt liegt hier nur auf Aktien. Deswegen werden aber auch kleinere Anteile an Anleihen und Rohstoffen in dieser Phase gehalten. Diese Reduzierung der Phasen wurde möglich, weil in den letzten 10 Jahren erkennbar wurde: Rohstoffe und Aktien verhalten sich in ihrem zeitlichen Auf und Ab immer ähnlicher. Das hatte mehrere Gründe, unter anderem die deutlich höhere Liquidität in den Märkten, aber auch das gestiegene "Rohstoffbewusstsein" unter den Investoren. Der Handel mit Rohstoffen hat in den letzten 10 Jahren die Finanzmärkte regelrecht im Sturm erobert, nicht zuletzt befeuert von dem Gerede um einen Superboom bei Rohstoffen. Allein aus diesem Grund macht es keinen Sinn mehr zwischen Phase II und Phase III des alten Modells zu unterscheiden, denn damit würde man die Tiefpunkte bei Rohstoffen regelmäßig verpassen.

Mittlerweile ist es so, dass Rohstoffe ihre zyklischen Tiefpunkte fast zum gleichen Zeitpunkt durchlaufen wie Aktien. Gleiches gilt auch in etwa für deren Hochpunkte. Daher kann man die Phasen IV und V ebenfalls miteinander verschmelzen. Tendenziell performen in diesen beiden Phasen Rohstoffe eher besser als Aktien, während Aktien in Phase II und III die Nase vorn haben. Anleihen dagegen entwickeln sich in den Phasen II bis V sehr schlecht. Sie erleben ihre Blütezeit in den Phasen VI und I, also den absoluten Krisenphasen im Konjunkturzyklus. Dies ist Ausdruck des gesteigerten Sicherheitsbedürfnisses der Anleger, die ihr Kapital im Fall einer Krise in den sicheren Hafen der Staatsanleihen bringen wollen.

 

Alte und neue Phaseneinteilung bei 6-Phasen-Konjunkturmodell und BSC-Modell:
6-Phasenmodell BSC-Modell und Konjunkturzustand
Phase II "Stocks" (Aktien) - unterstützter Aufschwung
Phase III
Phase IV "Commodities" (Rohstoffe) - selbsttragender Aufschwung
Phase V
Phase VI "Bonds" (Anleihen) - wirtschaftliche Kontraktion
Phase I

 

IV. Vorteile des BSC-Modells:

  • Höhere Prognosesicherheit: In dem man passende Phasen vereinigt, also von sechs Phasen auf drei reduziert, vergrößert sich automatisch die Treffsicherheit der Prognose. Wer nur noch die Auswahl aus drei Phasen hat, der hat eine größere Chance richtig zu liegen als bei sechs Phasen.

  • Geringe Transaktionskosten: Transaktionskosten sind zwar in der heutigen Zeit von Online-Brokern kein wichtiger Kostenfaktor mehr, dennoch sind sie nicht unbedingt zu vernachlässigen. Bei Phasenwechseln müssen Teile des Portfolios umgeschichtet werden. Je weniger Phasenwechsel, desto weniger Kosten.

  • Geringere Steuerabgaben: Dies ist ein sehr wichtiger Punkt, der ähnlich begründet werden kann wie die Transaktionskosten. Je weniger ich mein Portfolio umschichten muss, desto weniger Steuerabgaben bei eventuellen Gewinnen fallen an. Gerade hier in Deutschland können solche Abgaben größere Summen umfassen, die uns dann für die weitere Kapitalvermehrung nicht mehr zur Verfügung stehen.