Ist Kapitalanlage an der Börse etwas für jeden Anleger? (Fortsetzung)

 

Nicht wenige unerfahrene Anleger wurden Mitte der 1990er Jahre z.B. in die "Volksaktie" oder den "Neuen Markt" hineingeredet und mussten nach dem Jahr 2000 ihr persönliches Waterloo erleben. Viele Menschen fühlten sich dabei zurecht um ihr Erspartes geprellt und haben sich danach wieder enttäuscht von der Börse abgewendet. Nicht selten werden seither alle Bankberater als zwielichtige Gestalten angesehen, die nur ein Ziel haben, nämlich an das Anlagekapital der Anleger zu kommen. Das mag auch in vielen Fällen zutreffen, doch es ist auch keine Lösung, sich dem Thema Kapitalanlage völlig zu verschließen und sein Geld nur auf dem Sparbuch zu belassen.

 

Merke: In Jahren mit negativer Realverzinsung (=Sparzinsen kleiner als Inflationsrate) wie heute wird Ihre Kaufkraft durch die Inflation aufgefressen.

 

Warum ist die Börse so wichtig?

 

Ich will einmal versuchen zu erklären, warum Kapitalanlage an der Börse sehr wichtig ist: Wer sein Geld auf einem Sparbuch oder im Tagesgeldkonto lässt, der wird in der Regel immer weniger Zinsen als die Inflationsrate bekommen. Mit anderen Worten: Das angesparte Geld verliert mit der Zeit durch die Inflation immer mehr an Kaufkraft. Das Tückische daran ist: Der Anleger merkt das nicht sofort, sondern erst nach sehr langen Zeiträumen, wenn die Inflation bereits merklich in sein tägliches Leben eingreift.

 

Hier gibt es eine grobe Inflationsregel:

 

Meiner persönlichen Erfahrung nach haben sich die meisten Preise der Alltagsgegenstände (außer Lebensmittel u.a. Ausnahmen) nach etwa 10 Jahren verdoppelt. Wer in diesem Zeitraum sein Kapital nicht ebenfalls verdoppelt hat, der wird danach nur noch halb soviel Kaufkraft haben. Doch um sein Anlagekapital in 10 Jahren zu verdoppeln, braucht man eine Rendite von rund 8% pro Jahr, vorausgesetzt man legt die jährlichen Gewinne wieder an (thesaurierender Anlagestil oder in Neu-Deutsch: Total Return).

 

Merke: Eine Rendite von ~8% pro Jahr lässt sich nur an den Börsen mit Aktien oder Anleihen verdienen, nicht jedoch mit dem Sparbuch.

 

Doch die Kapitalanlage an den den Börsen ist eine volatile Angelegenheit. Ein Anleger muss dabei auch vorübergehend Verluste ertragen können. Für unerfahrene Anleger ist das sicher nicht leicht, doch es gibt ein paar Verhaltensregeln, mit denen man auch als Börsenneuling an den Börsen bestehen kann.

 

Verhaltensregeln für Börsenneulinge:

 

1. Legen Sie zunächst eine kleine Summe fest, die Sie entbehren können. Dieses Geld dürfen Sie nicht für Alltagszwecke brauchen.

2. Kaufen Sie nur Aktien von großen und bekannten Unternehmen oder kaufen Sie sichere Staatsanleihen (z.B. von Deutschland). Meiden Sie für den Anfang Rohstoffanlagen. Kaufen Sie niemals Zertifikate, Fonds, Futures, CFDs oder Optionsscheine oder andere exotische Anlageprodukte.

3. Haben Sie Geduld mit dem angelegten Kapital. Es braucht seine Zeit, bis sich die Gewinne einstellen.

4. Lesen Sie Börsenzeitschriften, um sich in Finanzdingen nebenbei langsam zu bilden. Haben Sie auch hier Geduld: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

5. Wenn Sie sich in das Thema Kapitalanlagen einarbeiten wollen und gleichzeitig lernen wollen, wie man sein eigenes Depot aufbaut, dann lesen Sie den Börsenbrief "Konservativer Anleger".