Meine persönliche Anlagestrategie (Fortsetzung)
Wie investiere ich persönlich im Konjunkturzyklus?.
Natürlich werden jetzt viele denken, was das für eine Binsenweisheit sei und dass man immer leicht reden könne. Ich habe hier nicht behauptet, dass die Umsetzung so einer Anlagestrategie leicht ist. Es gehört viel Erfahrung dazu, um den Beginn und das Ende einer Hausse in einer Anlageklasse zu bestimmen. Und man braucht im Falle meiner Anlagestrategie auch eine gehörige Portion Nerven und Vertrauen, weil man eine gewisse Volatilität ertragen können muss.
Aber jetzt kommen wir natürlich zur Frage aller Fragen: Wie ermittelt man den richtigen Kauf- bzw. Verkaufszeitpunkt für Aktien, Anleihen oder Rohstoffe? Kein Aktienchart oder Handelssystem werden Ihnen das verraten. Und auch kein Börsenmagazin oder Börsenguru. Die Antwort liegt einfach in den Konjunkturdaten verborgen.
Wer sie deuten kann, der kann seine Saat zum richtigen Zeitpunkt ausbringen und nach Jahren eine reiche Ernte einfahren. Konjunkturelles Timing, und nicht etwa ein Aktienchart, ist ein ganz wesentlicher Faktor bei der Kapitalanlage. Umfangreiche Untersuchungen haben nämlich gezeigt: Eine Aktienanlage wird nur in bestimmten konjunkturellen Phasen richtig gedeihen. Wer zum falschen Zeitpunkt Aktien kauft, erntet oft herbe Verluste. Auch mit prinzipiell guten Aktien. Wie Sie wissen, musste jeder, der zwischen 2001 und 2003 oder in 2008 auf Aktien gesetzt hatte, ordentlich Lehrgeld zahlen.
Meine Anlagephilosophie sieht daher ganz einfach aus…
Ich konzentriere mich vorwiegend auf Aktien, weil diese erfahrungsgemäß langfristig die beste Performance bringen. Primär wichtig ist daher nur die Identifizierung von Anfang und Ende der zyklischen Aktienhausse. Ist der Beginn einer Aktienhausse identifiziert, legt man ein Depot von 5-6 DAX-Werten an und wartet nur noch bis zum Ende der Hausse ab. Alternativ könnte man statt in DAX-Werte auch in einen DAX-ETF investieren, um das Risiko besser zu streuen. Das ist Geschmackssache. In einer zyklischen Hausse werden etwa 80% der Aktien im Depot steigen, während der Rest stagniert oder fällt. Insgesamt wird sich somit eine positive Performance einstellen.
Meine quantitative Anlagestrategie:
Habe ich den zyklischen Haussebeginn bei Aktien (Phase II oder "Stocks") zweifelsfrei identifiziert, investiere ich in etwa 80% meines Kapitals in ausgesuchte DAX-Werte (meist Zykliker) und lasse die Aktien dann liegen, bis ich in ein oder zwei Jahren den zyklischen Endpunkt erkenne. Brechen die DAX-Werte dann zweifelsfrei ihre langfristigen Aufwärtstrends, verkaufe ich die Positionen. Die restlichen 20% des Kapitals halte ich als Cashreserve für Nachkäufe oder spekulative Sondersituationen. Ich kaufe erst wieder neue Aktienpositionen, wenn ich die nächste Phase II identifiziere. In der Zwischenzeit halte ich Cash in Tagesgeld oder Anleihen.
Die goldene Regel der Finanzmarktbeobachtung…
Im Rahmen meiner konservativen Anlagestrategie lese ich im Gegensatz zu den meisten Anlegern keine Börsenmagazine oder Börsenbriefe. Ich lese auch keine Quartalsberichte, weil dies für mich eine schreckliche Zeitverschwendung darstellt. Stattdessen lese ich fast ausschließlich Konjunkturberichte über USA, Europa und Asien und das beinahe täglich. Damit bekommt man mit der Zeit ein feines Gespür für die Entwicklung der Weltkonjunktur. Für die Phasenbestimmung im Konjunkturzyklus und damit für die Bestimmung der zyklischen Anfangs- und Endpunkte von Haussen sind das Wissen und die Intuition darum sehr wichtig. Aus meinen beobachteten Konjunkturdaten habe ich mir im Lauf der Zeit ein Set von rund 20 Indikatoren zusammengestellt, die ich für die Phasenbestimmung heranziehe. Das ist nicht immer einfach, denn zu einem bestimmten Zeitpunkt zeigen nicht alle Parameter in die gleiche Richtung. Genau hier braucht man dann jede Menge Erfahrung und Intuition, um die richtige Phase bestimmen zu können.
Merke: Nicht Aktien analysieren und beobachten, sondern sich auf die Konjunkturdaten konzentrieren.
Diese Anlagestrategie erfordert ein radikales Umdenken im Performancestreben…
Wenn Sie meine konservative Anlagestrategie nachahmen wollen, müssen Sie bei Ihrem Performancestreben radikal umdenken. Viele Anleger wollen schnelle und hohe Gewinne - und das möglichst oft, um sich gut zu fühlen. Diese Einstellung bringt nur Frust und Ärger mit sich, weil sich erfahrungsgemäß kurzfristige Gewinne mit ebensolchen Verlusten oft abwechseln. Mein Performancestreben sieht vollkommen anders aus. Ich will das an einem einfachen Beispiel erklären:
Ein typischer Konjunkturzyklus dauert im Durchschnitt etwa vier Jahre. Normalerweise ist die zyklische Haussephase bei Aktien länger (~32-35 Monate) als die korrespondierende Baissephase (~15-18 Monate). Zyklische Aktien, wie z.B. eine BASF oder ThyssenKrupp können in einer solchen Hausse erheblichen Schwankungen bei der Marktkapitalisierung unterworfen sein, nicht selten sogar mehr als 100%. Wenn es also gelingt, eine BASF in der Nähe des zyklischen Tiefpunkts (Phase II) zu kaufen, kann die Aktie am Ende der Hausse rund das Doppelte wert sein. Betrachtet man den gesamten Zeitraum des Konjunkturzyklus (~4 Jahre), würde sich hier eine jährliche Performance von 19% ergeben.
Merke: Solange also meine Aktie auch nur in einem Jahr sehr gut steigt, ist das Verhalten der Aktie bis zum nächsten Haussekaufzeitpunkt vollkommen egal.
Leider ist die Strategie in einem Börsenbrief nicht voll umsetzbar…
Eingangs habe ich geschrieben, dass die BSC-Anlagestrategie dieses Börsenbriefs von meiner persönlichen Anlagestrategie abgeleitet ist. Keine Angst, sie ist deswegen nicht schlechter, sondern nur sicherer. Doch warum vertrete ich hier im Börsenbrief nicht einfach meine Anlagestrategie? Das hängt mit folgendem Umstand zusammen: Anleger gehen mit einer anderen Erwartungshaltung an einen Börsenbrief heran. Sie wollen täglich oder wöchentlich Aktientipps von einem Autor geliefert bekommen. Wenn ich meinen Lesern erzählen würde, dass die nächste Phase II in vielleicht zwei Jahren wieder kommt und sie bis dahin warten sollen, dann hätte ich diese Leser die längste Zeit gehabt. Dieses Bedürfnis ist zwar verständlich (sie bezahlen ja auch für Informationen), doch es ist auch schädlich, weil es den Anleger zu hektischen Aktivitäten und hohen Transaktionsgebühren verleitet.
Wichtig: Je öfter Sie Anlageentscheidungen treffen, desto höher wird die Zahl der Fehlentscheidungen. Je länger die Zeitspanne ist, in der solche Entscheidungen getroffen werden, desto höher ist die Zahl der Fehlentscheidungen, weil der Anleger auch in Aktienbaissen solche Entscheidungen treffen wird.
Aus diesem Grund musste ich die Anlagestrategie so modifizieren und entschärfen, dass sie für einen konservativen Börsenbrief besser geeignet ist. Leider schließt dies mit Blick auf das Tippbedürfnis der Leser auch eine wesentlich aktivere Handelsstrategie mit ein, die verglichen mit meinem eigentlichen Anlagesystem weniger effizient, dafür aber auch sicherer ist.
Wie erfolgreich war die Strategie im letzten vollen Konjunkturzyklus?
Um zu überprüfen, wie erfolgreich die Strategie war, können wir einfach einen Backtest erstellen. Als Vehikel dazu nehmen wir den DAX, den man sehr leicht mit einem ETF nachbilden kann.
Zyklus 2003 bis 2009 (von Phase II zu Phase II):

Abb.1: Entwicklung der DAX-Performance von Q2/2003 bis Q2/2009, also einem kompletten Zyklusdurchlauf. Der Kauf des DAX erfolgte mit Beginn von Phase II, der Verkauf nach dem Bruch des langfristigen Aufwärtstrends nach Erreichen von Phase V.
Wie man sehen kann, ist die Performanceentwicklung über den letzten Zyklus (2003-2009) hinweg sehr ordentlich. Mit einem Gewinn pro Jahr von rund 15% können wir als Anleger sehr zufrieden sein. Das Problem besteht nur darin, dass die Gewinnentwicklung nicht gleichmäßig über den gesamten Zykluszeitraum verteilt ist. Der Hauptzuwachs erfolgt meist in einem oder zwei Jahren, während der Rest aus Stagnation besteht. Das muss man als Anleger aushalten können. Auch die immer wieder vorkommenden Rückschläge.
Was für Aktien gilt, gilt auch für Anleihen und Rohstoffzertifikate...
Das Positive an dieser Strategie ist, dass es nicht nur für Aktien eine passende Spekulationsperiode gibt, sondern auch für Anleihen und Rohstoffe. Diese einzelnen Spekulationszeiträume überlappen partiell miteinander, lassen sich aber doch im Großen und Ganzen voneinander unterscheiden. Wer also gerade bei Aktien ausgestiegen ist (Phase V), der muss nicht unbedingt untätig herumsitzen, denn er könnte sodann auch in Anleihen investieren. Für jede der drei Anlagenklassen gibt es je ein Paar von Phasen im Konjunkturzyklus, die jeweils den Anfang und das Ende dieser optimalen Spekulationsperiode markieren:
| Anlageklasse | Kaufzeitpunkt | Verkaufszeitpunkt |
|---|---|---|
| Aktien | Phase II | Phase V |
| Anleihen | Phase I | Phase IV |
| Rohstoffe | Phase III | Phase VI |
WARNUNG:
Ich muss an dieser Stelle eine wichtige Warnung aussprechen. Meine persönliche Handelsstrategie erfordert eine hohe Toleranz gegenüber Volatilität. Wer diese Handelsstrategie nachmachen will, der muss über ein entsprechendes Risikoprofil verfügen. Etwa 80% seines Kapitals in DAX-Aktien zu stecken, ist nicht unbedingt Jedermanns Sache. Zudem ist zu bedenken, dass diese höheren Schwankungen nicht von jedem Anleger psychisch toleriert werden können. Wer also schon bei einem Rückgang des Depotwerts von 2% nervöse Zuckungen bekommt, der sollte lieber auf meine wesentlich vorsichtigeren Musterdepots in diesem Börsenbrief zurückgreifen. Diese arbeiten mit sehr viel geringeren Investitionsquoten.
