Meine Rente im Alter - wie sorge ich richtig vor?
Der Anteil der gesetzlichen Rente im Alter sinkt von Jahr zu Jahr und beträgt laut Angaben von Regierungsvertretern im Augenblick nur noch rund 40% vom Gehalt bei 40 vollen Beitragsjahren ("Daumenregel": etwa ein Prozentpunkt pro vollem Beitragsjahr). Die Tendenz ist klar weiter fallend. Damit hat jeder Arbeitnehmer eine Rentenlücke von rund 60% seines letzten Monatseinkommens. Und dabei ist Inflation noch gar nicht eingerechnet (siehe Rentenrechner). Mit Blick auf die kommenden inflationären Zeiten ist dieser Rentenanteil viel zu gering, um überhaupt im Alter ohne Grundsicherung auskommen zu können. Für die meisten Durchschnittsverdiener (~30.000 Euro/Jahr) bedeutet das alleinige Vertrauen auf die gesetzliche Rente im Alter damit ganz klar extreme Altersarmut bei Rentenbeginn und Abhängigkeit vom Staat. Hier müssen sich die Betroffenen schnellstens darüber klar werden, dass eine private Altersvorsorge dringend vonnöten ist, wenn sie mit ihrer Rente im Alter keinen finanziellen Super-GAU (= Altersarmut) erleben wollen. Um eine Rentenlücke von rund 60% des Alterseinkommen zu stemmen, muss sich jeder Erwachsene mit dem Thema Kapitalanlage schnellstens auseinandersetzen. Das Thema "Geldanlage für die private Rente im Alter" muss zur Chefsache ernannt werden. Ausreden gelten jetzt nicht mehr.
Die Politik trommelt schon seit dem Jahr 2002 für mehr private Altersvorsorge. Und der Ruf scheint auch bei den Menschen angekommen zu sein, denn derzeit gibt es etwa 15 Millionen Riestersparer, die so für ihre Rente im Alter privat vorsorgen wollen. Leider ist dabei den Wenigsten klar, dass sie hier von Staat und Finanzwirtschaft gnadenlos über den Leisten gezogen worden sind (siehe Riesterrente). Keine Frage, die Menschen sind sich der Problematik der Rentenlücke (= letztes Monatseinkommen – gesetzliche Rente im Alter) bewusst, doch sie vertrauen leider immer noch ihr angespartes Kapital lieber der Finanzwirtschaft (Fonds, private Altersvorsorgepläne, betriebliche Rentenversicherungen, etc.) an, die es für sie gewinnbringend anlegen sollen. Wohin das führen kann, sieht man gerade anhand der aktuellen Kredit- und Bankenkrise, die die westliche Finanzwelt an den Rand des Abgrunds geführt hat und die bei weitem noch nicht ausgestanden ist. Hier wurden von den ach so hoch gelobten Finanzexperten Anlagekonstruktionen (u.a. Riester-Verträge) entwickelt und im großen Stil vertrieben, die dann einem realen Stresstest nicht mehr standhalten konnten und heute nur noch einen imaginären Bruchteil ihres Nominalwertes aufweisen. Große Segmente des westlichen Kreditmarktes befinden sich in einer existenziellen Krise und deren Auswirkungen auf die Realwirtschaft sind derzeit noch gar nicht abschätzbar. Vorläufige konservative Schadensschätzungen gehen von mehreren Billionen US-Dollar aus.
Ich kann nur dringendst davor warnen, Institutionen wie Banken, Rentenversicherern, betrieblichen Pensionsfonds oder Versicherungskonzernen allzu großes Vertrauen in dieser Hinsicht zu schenken. Kommt es zum GAU, sehen Sie keinen Cent ihrer Einlagen wieder. Und selbst wenn es nicht zum GAU kommen sollte, werden Sie horrende Verluste bei Ihren Ersparnissen in Form von Provisionen, Transaktionsgebühren, Ausgabeaufschlägen, Managementgebühren, Depotgebühren, Gewinnbeteiligungen und Sicherheitsmargins der Finanzunternehmen hinnehmen müssen. Geld, das Ihnen im Alter bitter fehlen wird. Eines müssen Sie sich unbedingt klar machen: Die Interessen von Anlegern und Sparern werden von diesen privaten Unternehmen, die mit der Politik gemeinsame Sache machen, in keinem Fall berücksichtigt, da hier nur der eigene Profit zählt. Aus diesem Grund sollte das Thema Geldanlage "Chefsache" sein – also von Ihnen persönlich überwacht werden. Wer das nicht tut, wird mit hundertprozentiger Sicherheit gnadenlos abgezockt werden.
Doch wie soll man richtig für die Rente im Alter vorsorgen?
1. Kapital selbst verwalten:
Der erste Schritt dazu besteht darin, dass Sie Ihr Kapitalvermögen nicht mehr in fremde Hände geben. Das ist die wichtigste Regel. Wer sein Geld selbst verwaltet, der kann auch von anderen nicht betrogen werden. Sie ahnen gar nicht, wie viele schwarze Schafe sich auf dem Finanzmarkt tummeln, die Ihnen Ihr sauer verdientes Geld abjagen wollen. Das müssen nicht nur reine Betrüger sein, die sich mit dem ganzenGeld über alle Berge davon machen, sondern dazu gehören auch viele namhafte Finanzkonzerne, die Ihnen Ihr Geld auf ganz subtile und legale Weise stehlen.
2. Der eigene Ansparplan:
Der zweite Schritt besteht darin, einen "eigenen" monatlich festen Sparplan aufzulegen. Jeder kann das. Dazu muss man kein Finanzexperte sein. Richten Sie bei Ihrer Bank ein Wertpapierdepot ein. Achten Sie bei der Auswahl der Bank auf möglichst geringe Transaktions- und Depotgebühren. Jede Form von Gebühren wird Ihre Rendite schmälern. Überweisen Sie Ihr Startkapital, falls vorhanden, in dieses Depot. Überlegen Sie, wie viel Geld Sie monatlich abzweigen können und nicht brauchen. Im Zweifelfall entspricht die Summe dem Betrag, den Sie für eine monatliche Altersvorsorge hätten zahlen sollen. Je mehr Sie monatlich wegsparen, desto besser. Kaufen Sie mit diesem Geld entweder monatlich oder vierteljährlich absolut sichere Anleihen mit einem möglichst hohen Kuponzins. Hier kommen schwerpunktmäßig nur bundesdeutsche Anleihen in Frage, zu kleinen Teilen können Sie aber auch Anleihen aus anderen Ländern oder Unternehmensanleihen solider Unternehmen kaufen. Wichtig dabei ist, immer auf eine vernünftige Mischung aus Anleihenkurs und Kuponzins zu achten (= effektive Rendite). Je höher die effektive Rendite, desto besser. Gute Anleihen werden bis zum Laufzeitende gehalten. Die Laufzeit spielt generell keine Rolle, denn Sie müssen Ihr Depot sowieso aktiv managen. Mit der Zeit werden Sie hier mehr Erfahrung gewinnen. Dieser Anleihensparplan ist das zentrale Element Ihrer privaten Altersvorsorge. Die Profis aus den Finanzunternehmen machen nämlich auch nicht anderes, außer Ihnen noch zusätzlich Geld für Provisionen, etc. abzuknöpfen. Das muss doch nicht sein, oder?
3. Startkapital für die Börse:
Wer in der glücklichen Lage ist und auch noch ein Startkapital hat, der sollte dies, vor allem wenn er noch nicht älter als 55 Jahre ist, an der Börse in Form von Aktien anlegen. Legen Sie dieses Extrakapital nur in ausgesuchten und soliden Unternehmen an. Hoffen Sie hier nicht auf die „eine Superaktie“ oder schnelle Gewinne und lassen Sie sich nicht von hochtrabenden Gewinnversprechen verführen. Altersvorsorge hat nichts mit Zocken zu tun, das ist solides Anlagegeschäft. Bilden Sie sich in Punkto Finanzwissen oder holen Sie sich einen guten Börsenbrief ins Haus. Versuchen Sie dieses Startkapital ruhig und bedacht zu vermehren. Je mehr Kapital Sie zu Rentenbeginn haben, desto besser für den Auszahlplan.
4. Der Auszahlplan:
Wenn Sie Ihr persönliches Rentenalter erreicht haben und endlich die Rente im Alter genießen wollen, dann beenden Sie die Ansparphase und beginnen mit dem Auszahlplan. Dazu müssen Sie Ihr Sterbealter abschätzen. Bei Ehepaaren rechnet man mit dem Sterbealter der Frau, denn Frauen leben in der Regel länger als Männer. Nehmen Sie dazu das statistische Sterbealter für das entsprechende Geschlecht und schlagen noch einmal etwa 5-10 Jahre drauf, je nach Bedarf und Sicherheitsbedürfnis. Brauchen Sie viel zusätzliche Rente, dann weniger Alter zugeben, brauchen Sie weniger Rente, dann mehr Alter zugeben. Kurz vor Rentenbeginn müssen Sie in ihrem Anleihendepot, die Anleihen in möglichst hohe Laufzeiten und Kuponzinsen umschichten. Das ist sehr wichtig, denn je länger die Anleihen laufen, desto weniger müssen Sie sich darum kümmern (Bedenken Sie: Sie sind alt und vielleicht nicht mehr geistig auf der Höhe). Und je höher der Kupon, desto höher die Auszahlung und desto länger die Auszahlzeit. Dann berechnen Sie (mittels Excel) basierend auf Auszahlhöhe und Kupon die Laufzeit des Plans. Ihr Kapital sollte erst aufgebraucht sein, wenn Sie Ihre statistische Lebenserwartung plus Sicherheitspuffer erreicht haben. Hierzu muss man die Auszahlhöhe variieren. Je geringer, desto länger reicht das Geld. Nehmen Sie nur das Geld für genau ein Jahr aus dem Depot und kommen Sie damit aus. Der Rest bleibt angelegt und bringt weiter Zinsen.
Tipp: In den Auszahlplan müssen Sie natürlich nicht nur die Summe Ihrer Ansparsumme einfließen lassen, sondern auch die gesetzliche Rente, etwaige Lebensversicherungen oder sonstige Geldleistungen. Dann legen Sie Ihren monatlichen Bedarf fest und prüfen, ob und wie lange das Geld aus dem Ansparvermögen reicht.
So gerüstet sollte mit Ihrer Rente im Alter dann nichts mehr schief gehen. Altersarmut - kein Thema mehr!
