Risikokontrolle und Moneymanagement...

 

Anlageprofis platzieren bereits am Anfang eines Investments einen Stoppkurs und definieren zusätzlich, wie viel sie einsetzen wollen. Hier kann man im Wesentlichen zwei Modelle unterscheiden:

 

A) Modell „Gleicher Einsatz“

 

Bei einem Anlagekapital von zum Beispiel 100.000 Euro wird von vorneherein festgelegt, dass man pro Position 10.000 Euro einsetzen möchte. Das bedeutet maximal 10 Positionen im Depot. Das pro Position in Kauf genommene Risiko hängt dann nur noch von der Entfernung des Stoppkurses vom aktuellen Kurs ab. Die Platzierung des Stoppkurs richtet sich dabei nach der Volatilität der jeweiligen Aktie. Je volatiler, desto tiefer muss der Stoppkurs platziert werden, um nicht sofort wieder aus der Position herauszufliegen. Auf der anderen Seite erhöht sich aber auch das Risiko der Position bedeutend. Bei diesem Modell ist es daher ideal, wenn alle Aktien ein ähnliches Risiko- und Volatilitätsprofil aufweisen. Dieses Modell ist daher eher für den fortgeschrittenen Anleger geeignet, der die einzelnen Positionen in dieser Hinsicht besser einschätzen kann.

 

B) Modell „1%-Risiko“...

 

Hier wird der Kapitaleinsatz anhand des Verlustrisikos einer Aktienposition berechnet. Auf jede Aktienposition soll der gleiche Verlust entfallen – nämlich 1% des gesamten Anlagekapitals. Bei 100.000 Euro Anlagekapital wird der Verlust also maximal 1.000 Euro betragen. So wird von vorneherein festgelegt, wie groß der maximale Verlust der Position sein wird. Um die Zahl der zu kaufenden Aktien zu berechnen, geht man wie in der Formel beschrieben vor.

Anzahl Aktien gleich Risiko pro Position durch Differenz aus Aktienkurs und Stoppkurs

Beispiel: Das Risiko der Position beträgt 1.000 Euro; der Aktienkurs liegt bei 100 Euro, der Stoppkurs wird bei 90 Euro gesetzt, dann darf man nur 100 Aktien kaufen.

Der große Vorteil dieses Modells besteht darin, dass der Anleger schon im Vorfeld weiß, wie hoch der Verlust ausfallen wird, egal wie weit unterhalb der Stoppkurs unter dem Kaufkurs platziert wird. Engagements in Positionen mit optisch hohem Risiko kann dadurch der Anleger also leichter psychisch verkraften. Der zweite große Vorteil dieses Modells besteht darin, dass sich das gesamte Risiko kontrolliert und proportional zur Anzahl der Positionen verhält. Nimmt die Zahl der Positionen ab, so nimmt dazu auch das gesamte Risiko proportional ab. Für Anfänger ist dies ein recht gutes Modell zur Risikokontrolle.

Dieses Modell hat aber auch einen kleinen Schönheitsfehler, denn das Risiko pro Position ergibt sich hier aus der Differenz zwischen Stoppkurs und Kaufkurs. In der Realität gibt es aber noch die Börsenspesen und die so genannte Slippage. Slippage ist die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs. Etwas salopp ausgedrückt ist Slippage ein schlechter Ausführungskurs. Wenn Sie beispielsweise einen Stoppkurs angeben, dann wird die Aktie ja erst verkauft, wenn der Kurs unter den angegebenen Stoppkurs gefallen ist. Der tatsächliche Ausführungskurs kann unter Umständen beträchtlich unter dem von Ihnen gewählten Stoppkurs liegen, denn eine Stoppkursorder ist eigentlich nichts anderes als eine Bestens-Order.

Um verantwortungsvoll das Risiko einer Position zu berechnen und damit die erforderliche Stückzahl festzulegen, muss man also auch die Spesen bei Kauf und Verkauf, sowie das Slippage mit einberechnen. Bei den Spesen muss man hier seinen durchschnittlichen Spesensatz in Prozent anhand einiger typischer Transaktionen berechnen. Zählen Sie einfach hier die gezahlten Spesen von z.B. 10 Transaktionen zusammen und dividieren die Summe dann durch 10. Anschließend berechnen Sie dann, wie viel Prozent der mittlere Spesensatz von der mittleren Transaktionssumme ausmacht. Wenn Sie also im Durchschnitt 100 Euro Spesen bei einer durchschnittlichen Transaktionssumme von 10.000 Euro bezahlen, dann beträgt Ihr Spesensatz in Prozent: 1%.

Bei den heutigen Online-Brokern sollte man hier im Schnitt auf einen Satz von rund 0,6% kommen. Bei der Slippage sollte man einen Satz von rund 1,2% einkalkulieren – dies hängt aber auch von Ihren Erfahrungswerten ab. So geht man nun davon aus, dass der tatsächliche Kaufkurs um 1,8% (0,6% + 1,2%) über dem aktuellen Kurs und der tatsächliche Verkaufskurs um 1,8% unter dem angegebenen Stoppkurs liegen wird. Ein Sicherheitspolster sozusagen. Daraus ergibt sich dann folgende Formel zur Berechnung der erforderlichen Stückzahl:

Aktienzahl gleich Risiko durch Differenz aus Aktienkurs und Stoppkurs

 

Fazit: Wenn Sie sich für eines der beiden Risikokontroll-Systeme entscheiden, dann haben Sie schon einen sehr wichtigen Schritt in Richtung erfolgreicher Kapitalanlage getan.