Martin Pring und das 6-Phasen-Konjunkturmodell ...
Erst der renommierte technische Analyst und Bestsellerautor Dr. Martin Pring hat all die über die Jahre hinweg gesammelten Erkenntnisse über das Verhalten von Anlageklassen im Konjunkturzyklus in dem wirklich bahnbrechenden Buch "The All-Season Investor" (1992, ISBN 0-471-54977-0) zusammengefasst. Auf ihn geht eine Anlagestrategie zurück – das 6-Phasen-Konjunktur-Modell, welches von vielen professionellen Vermögensverwaltern in der einen oder anderen Form heute noch routinemäßig verwendet wird. Nur die vielen Kleinanleger haben davon meist noch nichts gehört. Es scheint so zu sein, dass die rührige Finanzindustrie auch kein sonderliches Interesse daran hat, dieses Wissen über diese Anlagestrategie zu verbreiten. Diese Klientel braucht schließlich am Ende von Haussen planlos agierende Anleger, denen man dann die eigenen Papiere teuer verkaufen kann. Selbstverständlich kauft man diese Papiere von denselben geschröpften Anlegern am Tiefpunkt der jeweiligen Baisse wieder billig zurück. Aus diesem Grund wird Ihnen Ihr freundlicher Bankberater diese Methode garantiert nicht empfehlen.
Das "Kleinanleger-Syndrom"...
In Haussephasen steigen unerfahrene Anleger meist zu spät ein und erzielen naturgemäß zunächst noch Gewinne. Doch sie erkennen nicht, wann die Märkte in den Baissemodus umschalten und steigen dann in den Baissephasen viel zu spät aus. Oft verlieren sie das vorher gewonnene Kapital wieder und noch mehr. Nicht selten enden solche Abenteuer auch im totalen Ruin. Dieses Schauspiel wiederholt sich mit jedem neuen Auf- und Abschwung immer aufs Neue, weshalb ich für dieses Fehlverhalten den Begriff "Kleinanleger-Syndrom" geprägt habe.
Martin Pring unterteilt den Kitchin-Konjunkturzyklus in sechs Phasen, deren Vorhandensein und Länge von Zyklus zu Zyklus deutlich variieren kann. Kein Konjunkturzyklus ist identisch im Verlauf (Amplitude und Dauer der einzelnen Phasen) zum Nächsten oder Vorhergehenden. In der Grundstruktur sind sie sich aber im Wesentlichen relativ ähnlich. In seinem "6-Phasen-Konjunktur-Modell" existiert für jede der drei betrachteten Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Rohstoffe) je eine Phase für deren zyklischen Tiefpunkt und eine Phase für den entsprechenden Hochpunkt. Daraus leitet sich das entsprechende Timing ab.
Anlageklassen und ihre Kauf- bzw. Verkaufszeitpunkte in den sechs Phasen des Konjunkturzyklus:
| Anlageklasse | Kaufzeitpunkt | Verkaufszeitpunkt |
|---|---|---|
| Aktien | Phase II | Phase V |
| Anleihen | Phase I | Phase IV |
| Rohstoffe | Phase III | Phase VI |
Hintergrundinformationen: Verhalten einzelner Anlageklassen in den 6 Phasen des Konjunkturzyklus...
Natürlich ist diese Anlagestrategie nicht der Heilige Gral der Finanzbranche. Diese Annahme würde zu weit gehen. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass Prings Modell gewisse Schwächen aufweist, die unter Umständen zu katastrophalen Fehlentscheidungen auf Seiten der Anleger führen können. Das Problem bei dieser Anlagestrategie liegt grundsätzlich in der richtigen Bestimmung der Phasenposition im Konjunkturzyklus. Legt man sich auf die falsche Phase fest, kann das zu beträchtlichen Verlusten bei der Kapitalanlage führen. Aus diesem Grund habe ich in den letzten Jahren versucht, die Anlagestrategie weiterzuentwickeln und zu verfeinern, um sie so letztendlich sicherer und damit auch effektiver zu machen.
Am vorläufigen Ende dieses Weges steht nun die so genannte "Bonds/Stocks/Commodities"-Strategie ("BSC"-Strategie), welche eine Weiterentwicklung und Vereinfachung des "6-Phasen-Konjunktur-Modells" von Dr. Pring darstellt. Natürlich ist mir auch klar, dass es keine perfekte Anlagestrategie gibt, da die Märkte vom Rest der Welt nicht unabhängig funktionieren. Unvorhergesehene Großereignisse, wie Kriege oder sonstige Finanzkatastrophen, bringen jedes System zwischendurch einmal aus dem Tritt. Hundertprozentige Sicherheit gibt es einfach nicht. Man kann aber versuchen, ein Anlagestrategie zu generieren, welche über längere Zeiträume weitgehend stabile und gute Renditen erwirtschaften kann.
Mein primäres Ziel bei der Entwicklung dieser Anlagestrategie war es, eine sehr hohe Sicherheit bei gleichzeitig moderat hoher Rendite zu erreichen.
Hohe Sicherheit ist nur zu erreichen, wenn man Abstriche bei der Rendite macht. Nur so lassen sich Anlagestrategien verwirklichen, die auch von den meisten Anlegern nervlich auch verkraftet werden können. Die von mir entwickelte BSC-Anlagestrategie ist daher sehr gut für konservative Anleger geeignet...

