Vom richtigen Umgang mit Verlusten ...

 

An den Börsen gibt es eine einfache Regel: Wenn jemand einen Gewinn macht, muss es einen geben, der einen Verlust realisiert. Und wenn es keine Hellseher gibt, dann werden wir Anleger meist früher als später auch Verluste erleiden. Verluste werden von jedem Menschen aber als Niederlagen angesehen und daher sind sie nicht leicht zu verkraften.

Um mit Aktienverlusten richtig umzugehen, muss das Problem aus zwei Blickwinkeln betrachten: Den eigentlichen Positionsverlust (Aktie, etc.) und den Portfolioverlust (Gesamtkapital). Diese zwei Blickwinkel muss man gesondert betrachten:

 

a) Positionsverlust (am Beispiel einer Aktie):

 

Wann soll man eine Aktie verkaufen? Wie viel Verlust soll man ertragen? Grundsätzlich sollte man eine Aktie nur verkaufen, wenn sich etwas fundamental am Geschäftserfolg geändert hat. Doch wie erkennt man das? Zum einen an schlechten Nachrichten, die das Kerngeschäftsfeld des Unternehmens betreffen (oft schwierig einzuschätzen für Anfänger). Zum anderen an einer kontinurierlichen Verschlechterung der Gewinnmargen (gut verifizierbar). Werden diese in den letzten Quartalen schlechter, dann ist Gefahr in Verzug und der Aktienverlust ist nicht unbegründet.

 

Merke: Verschlechtern sich die Gewinnmargen bei sinkendem Aktienkurs - Verkaufen und abwarten, da eine sinkende Marge die Bewertungsrelationen verändern kann.

 

Andere Gründe für sinkende Aktienkurse können sein: Allgemeine Marktschwäche, unspezifische, negative Nachrichten oder ungünstige Charttechnik. Sind hier die Gewinnmargen nicht negativ betroffen, macht es keinen Sinn die Aktie zu verkaufen. In diesem Fall ist es das Beste, die Sache einfach auszusitzen oder gar nachzukaufen. Mein einfacher Ratschlag: Einfach mehr Geduld haben. Sie machen dadurch weniger Verluste und mehr Gewinne.

 

Die berüchtigten Anfangsverluste...

Ganz besonders frustrierend sind die so genannten "Anfangsverluste". Man ist euphorisch, kauft eine Aktie und denkt, dass der Kurs sofort weiter nach oben geht. Meist stellt sich dann das Gegenteil ein, der so genannte "Anfangsverlust". Aus Angst vor weiteren Verlusten realisieren dann die Anleger den Verlust und verkaufen. Zunächst einmal: Anfangsverluste sind völlig normal. Als Anleger hat man nie alle Parameter unter Kontrolle. Im kurzen Zeitbereich gibt es rein zufällige Kursfluktuationen, die kein Mensch vorhersagen kann.

 

Anfangsverluste von bis zu 10% sind normal und nicht ungewöhnlich.

 

Erst wenn die Aktienverluste über 10% gehen, muss der Kauf erneut überprüft werden. Hier sollten Sie sich wirklich fragen, ob Sie alle Hausaufgaben bei der Überprüfung des Unternehmens gemacht haben. Leider ist das in vielen Fällen nicht der Fall. Oft lesen Anleger einen interessanten Unternehmensbericht, sind sogleich euphorisiert und kaufen sofort eine Position. Unter diesen Bedingungen kann man ein Unternehmen nicht genau beurteilen, so dass Fehlentscheidungen die Folge sein können. Bedenken Sie auch, dass euphorisierende Aktienberichte auch eine "Motivation" haben können.

 

 

b) Portfolioverlust:

 

Der zweite Blickwinkel betrachtet das Verlustproblem aus einer übergeordneteren Perspektive, dem Portfolio oder Gesamtkapital. Die wichtigste Quelle für schwere Vermögensverluste sind Portfolioverluste. Eine der bedeutendsten Ursachen für solche Portfolioverluste sind Konjunkturabschwünge, die einer Rezession vorauslaufen. Aber auch Sonderereignisse, wie Kriege, Naturkatastrophen oder geopolitische Spannungen, können solch kollektiven Wertverluste auslösen.

 

Bei Portfolioverlusten jedweder Art sollte man grundsätzlich äußerst alarmiert sein, denn hier können irreparable Vermögensschäden entstehen.

 

Da die Konjunktur die Hauptquelle für solche Portfolioverluste ist, muss das Augenmerk des Anlegers schwerpunktmäßig auf den konjunkturellen Verlauf gerichtet werden. Anleger, aber oft auch die Finanzmedien, schätzen oft den Einfluss der Konjunktur auf die Assetkurse eher als untergeordnet ein. Das ist ein schwerwiegender Irrtum. Wer weiß, wann bestimmte Anlageklassen wo im Konjunkturzyklus steigen, der kann dadurch die Zahl der möglichen Verlustinvestitionen dramatisch senken und erlangt ebenfalls ein hohes psychologisches Sicherheitsgefühl bei seinen Anlagen. Wenn die Gesamtkapitalrendite steigt, kann man einen Verlust bei einer Einzelposition wesentlich besser tolerieren.

 

Steuern Sie Ihr Portfolio immer mit Blick auf die Gesamtkapitalrendite. Die Entwicklung von Einzelinvestments ist vollkommen sekundär.

 

Es ist viel wichtiger sich zu fragen, wie sich die Rendite des gesamten Portfolios (auch Barkomponente) entwickelt, als sich nur auf die Entwicklung einzelner Aktien zu konzentrieren. Formulieren Sie ein realistisches Gewinnziel und ebenso eine untere Grenze für den Portfolioverlust. Beides ist wichtig. Alle Gewinnvorstellungen (für Anfänger) von größer als 10% pro Jahr sind als zu ambitioniert einzustufen.

 

Merke: Bei den Portfolioverlusten sollte man sich eine Grenze von maximal 10% des Portfoliowerts pro Jahr setzen.

 

Werden diese 10% Verlust pro Jahr erreicht, muss man alle riskanten Positionen verkaufen und an der Seitenauslinie den weiteren Verlauf der Dinge abwarten. Warum? Einen Verlust von 10% kann man im nächsten Jahr mit einem Gewinn von 13,5% wieder ausgleichen. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Rendite liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Hat man aber in einem Jahr 50% verloren (keine Seltenheit beim DAX), dann muss man im nächsten Jahr schon wieder mehr als 100% Plus machen, um diesen Verlust zu egalisieren. Das ist nicht so ohne Weiteres möglich, so dass es unter Umständen Jahre dauern kann, bis man einen solch hohen Verlust ausgleichen kann.